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Wolfgang Apitzsch scheidet als Vorsitzender des Aufsichtsrates aus

Der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Apitzsch hat sein Amt aus Altersgründen niedergelegt. Nicht nur als Prozessvertreter hat er nachhaltig gewirkt.

Der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Apitzsch hat sein Amt aus Altersgründen niedergelegt. Nicht nur als Prozessvertreter hat er nachhaltig gewirkt.
Der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Apitzsch hat sein Amt aus Altersgründen niedergelegt. Nicht nur als Prozessvertreter hat er nachhaltig gewirkt.

Für die Übertragung höchst komplexer Rechtsfälle, die zudem noch mit enormen wirtschaftlichen Risiken verbunden sind, bedarf es eines furchtlosen und versierten Rechtsanwaltes, der über ein exzellentes Wissen und strategisches Geschick verfügt.

Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Apitzsch ist ein solcher Rechtsanwalt.

Stets auf der Suche nach juristischer Herausforderung

Tatsächlich langweilen Wolfgang Apitzsch die „Null-Acht-Fünfzehn-Fälle“ maßlos, weshalb er stets auf der Suche nach der juristischen Herausforderung war und ist. 

Es bereitet Staunen und Freude, seinen Spuren zu folgen.

Hierzu möchte ich an dieser Stelle nur drei kleine Beispiele nennen: Die Rettung der Pfälzer Flugzeugwerke in Speyer, die Erwirkung eines Initiativrechts für Betriebsräte bei Kurzarbeit und die Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes bei der DGB Rechtsschutz GmbH.

Die Pfälzer Flugzeugwerke in Speyer (heute PFW Aerospace GmbH) gibt es schon seit über hundert Jahren. Die Gesellschaft kann auf eine erfolgreiche und bewegende Vergangenheit zurück blicken.

Schließung verhindert

Anfang der Neunziger Jahre war dieses Unternehmen mit etwa 1000 Beschäftigten Teil des Airbus-Konzerns. Dieser hatte aufgrund erheblicher wirtschaftlicher Probleme das sogenannte „Dolores Projekt“ ins Leben gerufen. Die Belegschaft wurde um 30% reduziert, das Werk in Speyer stand vor der Schließung.

Viele hunderte Arbeitnehmer standen vor dem Nichts, auch die Gewerkschaften suchten händeringend nach Lösungen. Weder Airbus noch der beteiligte Daimler-Konzern sahen eine Alternative zur Schließung, Käufer für dieses Werk fanden sich nicht. 

Doch die Belegschaft und die IG Metall wollten nicht einfach aufgeben und man holte sich Rat bei dem Arbeitsrechtler Apitzsch. Das Ergebnis: Statt Abwicklung, Insolvenz oder Notverkauf wurde das Ungewöhnliche gedacht und schließlich auch umgesetzt.: 523 der verbleibenden 700 Beschäftigten übernahmen das Unternehmen eigenverantwortlich. 

Aus Arbeitnehmern wurden Unternehmer und entgegen allen Prognosen und Bedenken wurde eine Mitarbeiter-AG gegründet, die nicht nur wirtschaftlich erfolgreich war, sondern auch noch Wachstum generierte. Ende der Neunziger Jahre war die Belegschaft um mehr als 100 Mitarbeiter gewachsen, dazu kamen weitere Leiharbeitnehmer. Schließlich übernahm Airbus im Jahre 2011 das Werk wieder.

Rechtsprechung geprägt

Der Arbeitsrechtler Rechtsanwalt Apitzsch hatte bereits zehn Jahre zuvor sein strategisches Geschick im Rahmen von verordneter Kurzarbeit bewiesen. 

Die Betriebsräte waren damals noch mit Verteidigungsstrategien beschäftigt, doch durch eine äußerst gelungen prozessstrategische Vorgehensweise wurde ein Initiativrecht für Betriebsräte in Sachen Kurzarbeit ausgeurteilt.

Diese Rechtsprechung, wonach das Mitbestimmungsrecht bei der Einführung von Kurzarbeit auch zum Inhalt hat, dass der Betriebsrat die Einführung von Kurzarbeit verlangen und gegebenenfalls erzwingen kann, hat bis heute Bestand.

Verantwortung übernommen

Mitte der 2000er Jahre galt es, eine weitere Herausforderung zu meistern: Die noch junge DGB Rechtsschutz GmbH mit knapp 900 Beschäftigten musste umgekrempelt werden. 

Die Rechtsschutz GmbH ist ein aus dem DGB ausgegründeter juristischer Dienstleister für die Gewerkschaftsmitglieder. Auch hier übernahm der Arbeitsrechtler Apitzsch eine verantwortliche Position ein.

Er übernahm den Aufsichtsratsvorsitz dieser großen Kapitalgesellschaft und gestaltete aus dem anfangs ungeliebten Dienstleister ein wertorientiertes Serviceunternehmen. Auch hier setzte er auf strategisches Vorgehen und Umgestaltung mit den Beschäftigten statt auf Abwicklung. 

Die Rechtsschutz GmbH sagt Danke

Gerade dies bedeutete einen enormen Arbeitsaufwand, der aber mit viel Erfolg verbunden war. Jetzt verlässt Wolfgang Apitzsch den Aufsichtsrat. „Mission gelungen, Auftrag erfüllt“ - so ist allenthalben der Tenor.

Die DGB Rechtsschutz GmbH verliert einen sehr klugen und weitsichtigen Aufsichtsratschef. Als Arbeitsrechtler hat er weiterhin große Räder zu drehen. 

Unser Dank und unser Respekt für seine wirklich herausragenden juristischen und strategischen Erfolge sind ihm sicher. Wir sind froh, dass er der geschäftsführende Herausgeber unserer Fachzeitschrift „Arbeit und Recht“ bleibt. Von ihm können wir lernen, wie man immer wieder das Ungewöhnliche nicht nur denkt, sondern auch umsetzt.