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Vor 80 Jahren: der zweite Weltkrieg beginnt

Am 1. September 1939 überfiel die deutsche Wehrmacht Polen. Dadurch begann der bisher größte militärische Konflikt der Menschheitsgeschichte. Über 60 Millionen Menschen verloren im zweiten Weltkrieg ihr Leben.

Verbrecherische Kriegsziele: Lebensraum für Deutsche erobern und „rassisch unerwünschte“ Bevölkerung vertreiben und „ausmerzen“. Copyright by breakermaximus/ Adobe Stock
Verbrecherische Kriegsziele: Lebensraum für Deutsche erobern und „rassisch unerwünschte“ Bevölkerung vertreiben und „ausmerzen“. Copyright by breakermaximus/ Adobe Stock

„Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“ tönte Adolf Hitler am selben Tag in einer Rede vor dem Reichstag, die der staatliche „Großdeutschen Rundfunk“ in ganz Deutschland übertrug. Der Diktator behauptete, Polen habe „heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen“. Und fügte hinzu, dass der Kampf Deutschlands sich nicht gegen Frauen und Kinder richte und die Luftwaffe sich auf militärische Ziele beschränken wolle.
 

Es gab keinen Angriff durch Polen

In dieser Rede war so ziemlich alles gelogen. Die polnische Armee hat nie angegriffen. Unter dem Decknamen „Unternehmen Tannenberg“ hatte das Sicherheitshauptamt der SS bereits seit längerem einen Plan ausgearbeitet, wie bei einem Krieg mit Polen hinter den Linien zu agieren ist. Das Ziel des Planes war zynisch beschrieben als „Durchsetzung nationalsozialistischer Volkstumspolitik“. Tatsächlich ging es darum, die polnische Intelligenz und alle Menschen jüdischen Glaubens umzubringen und den Rest der Bevölkerung zu versklaven oder zu deportieren.
 
Der Plan war damit Teil einer Strategie, die die Nazis schon von Anfang an verfolgten. Bereits Hitler beschrieb sie in „Mein Kampf. Er wollte große Teile Mittel- und Osteuropas als Lebensraum für Deutsche erobern und „rassisch unerwünschte“ Bevölkerung vertreiben und „ausmerzen“.
 

Der Angriffskrieg war von langer Hand vorbereitet

Schon am 10. August 1939 befahl der Chef des Sicherheitsdienstes (SD), Reinhard Heydrich, einer Einheit der SS, sich auf Aktionen vorzubereiten, die polnische Übergriffe simulieren. Dazu gehörte auch ein Anschlag auf den Rundfunksender Gleiwitz in der Nähe der polnischen Grenze.
 
Am 22. August 1939 hielt Hitler auf dem Berghof in der Nähe von Berchtesgaden eine Rede vor Generälen der Wehrmacht. Er legte dar, dass er einen Krieg mit Polen für unausweichlich halte.  Das deutsche Volk sei mit 140 Menschen auf den Quadratkilometer zusammengedrängt. Man müsse dem Volk den nötigen Lebensraum geben. Größte Härte könne bei einer solchen Aufgabe größte Milde sein.
 
Auch an die Propaganda, mit der sich ein Angriff auf Polen rechtfertigenlässt, dachte der Diktator. Allerdings war ihm gleichgültig, ob eine Rechtfertigung des Angriffs auch glaubwürdig sein wird: „Im Sieg liegt das Recht“ meinte er hierzu abschließend.
 

Russland wollte man sich zunächst vom Hals halten

Am 23. August 1939 vereinbarte das Deutsche Reich mit der Sowjetunion einen Nichtangriffspakt. In einem Zusatzprotokoll steckten beide Mächte ihre Interessensphären in Europa ab. Insbesondere Polen teilten sich Deutschland und die Sowjetunion auf. Den Nazis war klar, dass die Westmächte eingreifen könnten, wenn Deutschland Polen überfällt. Einen Zweifrontenkrieg wollten sie zunächst auf jeden Fall vermeiden.
 
Sechs SS-Leute besetzten am 31. August 1939 gegen 20.00 Uhr unter Führung des Sturmbannführer Alfred Naujocks den Radiosender Gleiwitz. Die Aktion wäre beinahe noch schief gelaufen. Die SS hatte übersehen, dass der Sender gar kein eigenes Programm ausstrahlte. Es fehlte ein Mikrofon. Die Besetzer konnten zunächst gar nicht senden. Nachdem sie mühsam eins beschafft hatten, verbreiteten die SS-Leute eine Ansprache. Die Nazis gaben vor, Angehörige der polnischen Minderheit in Schlesien zu sein. Die Sendung dauerte nur knapp 4 Minuten. Der Sprecher behauptete, der Sender befinde sich in polnischer Hand und die Stunde der Freiheit sei gekommen. Er endete mit dem Ruf: „Hoch lebe Polen“.
 

Das Deutsche Reich greift an

Zwei Geschwader der deutschen Luftwaffe griffen am 1. September gegen 4.30 Uhr die polnische Kleinstadt Wieluń an und zerstörten sie fast komplett. Etwa 2.500 Menschen kamen dabei ums Leben. Um 4.45 Uhr griff dann ein deutsches Schiff an. Das Ziel war der polnischen Stützpunkt auf einer Sandbank in der Weichselmündung, der Westerplatte. Die „Schleswig Holstein“ lag bereits seit Tage in der Weichselmündung und war als Passagierschiff getarnt. Es folgten deutsche Luftangriffe auf die Westerplatte und weitere polnische Städte. Darunter war Warschau. Allein dort gab es über 30.000 Tote.
 
Das deutsche Heer marschierte mit 2 Millionen Soldaten in Polen ein. Unverzüglich setzten die Nazis das „Unternehmens Tannenberg“ um. Sie ermordeten polnische Juden, Rechtsanwälte, Lehrer und weitere Akademiker.
 

Frankreich und Großbritannien kommen Polen zur Hilfe

Dem Morden konnten die Westmächte indessen nicht tatenlos zusehen. Am 03. September 1939 erklärten Frankreich und Großbritannien Deutschland den Krieg. Das hielt das Deutsche Reich jedoch nicht von weiteren Aggressionen ab. Im April 1940 besetzte Deutschland Dänemark und Norwegen, im Mai 1940 erfolgte der Angriff auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg. Diese Länder hatten sich bis dahin neutral verhalten. Das deutsche Militär griff auch Frankreich an. Bereits im Juni 1940 waren die Franzosen gezwungen, einem Waffenstillstand zuzustimmen.
Ein Jahr später brach Hitler ohne Vorwarnung den Nichtangriffspakt mit Stalin und die Wehrmacht marschierte in die Sowjetunion ein. Wie schon in Polen führte Deutschland den Krieg hier als Vernichtungskrieg. Das Ziel war, große Gebiete von „rassisch unerwünschter“ Bevölkerung zu befreien, um neuen Lebensraum für Deutsche zu gewinnen.
 

Deutschland hat allein einen Krieg verschuldet, der mehr als 60 Millionen Menschen das Leben kostete

Es kann heute keinen Zweifel daran geben, dass Deutschland den zweiten Weltkrieg allein verschuldet hat. Der Angriffskrieg war nicht provoziert und völkerrechtswidrig. Die Deutschen haben ihn auch mit völkerrechtswidrigen Mitteln und ohne Rücksicht auf Verluste  -auch eigener  - geführt. Und zumindest an der Ostfront fand ein besonders widerwärtiger Vernichtungskrieg statt. Er kostete Millionen von Menschen das Leben. Mehr als 13 Millionen Tote gehen allein auf deutsche Kriegsverbrechen an Zivilist*innen zurück. Dabei sind die Toten durch die eigentlichen Kriegshandlungen wie etwa die Bombardierung von Städten nicht mitgezählt.
 
Die Hetzrede Adolf Hitlers vor dem Reichstag enthielt also nichts Wahres. Die Behauptung, Frauen und Kinder würden geschont, erweist sich angesichts des Vernichtungskrieges als besonders zynisch. Polen hat zu keiner Zeit auch nur im Traum daran gedacht, Deutschland zu überfallen. Das wäre auch blanker Selbstmord gewesen. Die polnische Armee war technisch nicht annähernd dazu ausgerüstet.
Was Hitler in der Rede als Grund für den deutschen Angriff auf das Nachbarland angegeben hatte, war erstunken und erlogen. Deutsche Soldaten haben nicht zurückgeschossen. Sie haben geschossen, ohne dass die Polen provoziert hätten. Nicht einmal die Uhrzeit hat gestimmt.
 
Zum Nachlesen:
 
Beginn des zweiten Weltkrieges auf der Homepage der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
 
Chronologische Übersicht: Der Zweite Weltkrieg auf der Homepage der Bundesszentrale für politische Bildung
 
Artikel „Das Feixen der deutschen Landser“ auf der Homepage der Süddeutschen Zeitung
 
Artikel „Es begann mit einem Massaker in Wielun“ auf Tagesschau.de
 
Ansprache Adolf Hitlers vor den Oberbefehlshabern auf dem Obersalzberg  - NS-Archiv Dokumente zum Nationalsozialismus
 
Hitlers Rede vor dem Reichstag am 1. September 1939 auf der Homepage des Georg-Elser-Arbeitskreises

Dietmar Christians, Rechtsschutzsekretär und Online-Redakteur, DGB Rechtsschutz GmbH,Hauptverwaltung - Frankfurt am Main
Autor*in:
Dietmar Christians
ehemals Rechtsschutzsekretär und Online-Redakteur
Hauptverwaltung - Frankfurt am Main