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Eine traurige Anekdote zum alltäglichen Rassismus

Eine Frage, die ich mir in den letzten Jahren immer häufiger stelle: Was stimmt denn bloß mit den Leuten nicht?

Copyright by Adobe Stock/ absolutimages
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Vor einem Monat bekam ich einen Welpen, der mich nun ins Büro begleitet. Bei einer Pinkelpause am Grünstreifen sprach mich ein älterer Herr auf den Hund an. Er wollte wissen, was für eine Rasse das sei. Keine Ahnung, war meine wahrheitsgemäße Antwort. Denn mein Hund kommt aus dem Tierschutz, Mutter ein Mischling, Vater unbekannt.
Als der Herr das mit dem Tierschutz“ hört, schwant ihm Böses. „Aber hoffentlich nicht aus Marokko oder sowas?“ blafft er mich. Ich bin perplex, gebe ihm aber dennoch sachlich die Information, woher der Hund stammt: Aus einem Tierheim auf Zypern. Das sei ja noch schlimmer, meint der Herr grollend dazu. Verärgert, aber immer noch der guten Kinderstube unterworfen, frage ich warum. Eine Antwort, die sich auf Zypern bezieht, hat der Herr nicht in petto. Sein pauschales Statement verstört mich. Wir hätten ja wohl genug Hunde in Deutschland!

Die Situation ist schon eine Woche her, beschäftigt mich aber noch immer sehr.
So vieles an diesem "Gespräch" ist bezeichnend. Wenn der Mann mit Marokko einen der Maghreb-Staaten nennt, ist das ganz sicher kein zufälliges Beispiel. Es spricht hier Furcht und Misstrauen aus ihm. Und zwar so tief verwurzelt, dass es offenbar keine Rolle mehr spielt, ob es sich um flüchtende Menschen oder ein Zuhause suchende Vierbeiner handelt. Anders kann ich den Vorwurf, keinen deutschen Hund adoptiert zu haben, zumindest nicht deuten.

Ebenso wie bei Menschen, ist für mich bei Hunden nicht entscheidend, wo sie herkommen, sondern wie sie sich benehmen. Das Benehmen des älteren Herrn war schäbig! Und man kann sich sicher sein, dass sich seine Feindseligkeit keineswegs auf Tiere aus fremden Ländern beschränkt. Vielmehr zeigt diese Geschichte auf, wie weit die zum Alltag gewordene Verachtung gegen alles vermeintlich Fremde geht.

(Anmerkung: Der Kommentar wurde "vor Corona" geschrieben. Die Veröffentlichung verzögerte sich wegen vorrangiger Informationen im Zusammenhang mit der Pandemie.)

Silke Clasvorbeck, Online Redakteurin und Rechtsschutzsekretärin, Bielefeld
Autor*in:
Silke Clasvorbeck
Rechtsschutzsekretärin und Online-Redakteurin
Bielefeld