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Internationaler Frauentag

Viele engagierte Frauen und Männer setzen sich weltweit das ganze Jahr dafür ein, dass Frauenrechte nicht nur Lippenbekenntnisse sind, sondern die emanzipierte Teilhabe von Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft gewährleisten. Der Weltfrauentag ist kein Tag, an dem nur ausnahmsweise einmal daran gedacht wird, dass die Hälfte der Menschheit Frauen sind. Die Geschichte des Internationalen Frauentages ist eine Geschichte des Kampfes für Menschenwürde und Gleichberechtigung.

Wurzeln in der Arbeiterbewegung

 

1864 wurde die Internationale Arbeiter-Assoziation (IAA)  unter Federführung von Karl Marx gegründet. Es handelte sich um eine internationale Organisation unterschiedlicher Parteien und Verbände der Arbeiterbewegung. Die IAA zerbrach aber bereits 1872 wieder an internen Streitigkeiten und löste sich 1876 auf. Im Juli 1989 fand in Paris anlässlich des 100. Jahrestages des Beginns der französischen Revolution ein internationaler Arbeiterkongress statt. Auf diesem Kongress wurde als Nachfolgeorganisation  der IAA die Zweite Internationale gegründet. Seitdem wird die IAA auch Erste Internationale genannt. Die Zweite Internationale setzte sich stark gegen den zunehmenden Nationalismus und gegen die Kolonialpolitik der imperialistischen Mächte ein.
 

Starke Frauen haben erheblichen Einfluss in der zweiten Internationalen

Im Vorfeld eines internationalen Sozialistenkongresses der zweiten Internationalen 1910 in Kopenhagen fand am 26. und 27. August die Zweite Internationale Sozialistische Frauenkonferenz statt. Auf dieser Konferenz brachte ein Gruppe von Frauen unter Initiative der deutschen Sozialistinnen Clara Zetkin und Käte Duncker einen Antrag zur Einführung eines Weltfrauentages nach dem Vorbild von Frauentagen in den USA ein. Dieser Tag sollte in erster Linie der Agitation des Frauenwahlrechts diesen:
 
„Anlässlich der alljährlichen Mai-Demonstration (…) muss der Wunsch nach vollständiger politischer Gleichheit der Geschlechter proklamiert und begründet werden. Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und handelspolitischen Organisationen (…)  müssen die sozialistischen Frauen aller Nationalitäten einen speziellen Tag organisieren, der in erster Linie die Frauenwahlrecht-Propaganda fördern soll.“
 
Am 19. März 1911 und am 12. Mai 1912 wurden in verschiedenen europäischen Länder mit großem propagandistischen Erfolg Frauentage gefeiert. Auch während des ersten Weltkrieges fanden Frauentage statt, auf denen zunehmend nicht mehr nur das Frauenwahlrecht propagiert wurde. Der Frauentag entwickelte sich vielmehr zu einem Agitationstag gegen Imperialismus und Krieg.
 

Die SPD schließt mit dem Kaiserreich einen „Burgfrieden“ 

Mit Beginn des Weltkrieges stimmte die Reichstagsfraktion der SPD einer Initiative des damaligen Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg zu, die innenpolitischen Streitigkeiten für die Dauer des Krieges ruhen zu lassen. Kaiser Wilhelm II. schwang patriotische Reden und meinte, er kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche.  Im Mittelalter gab es die Regel, Kriegshandlungen aus den engeren Bereichen einer Burg herauszuhalten. In Anlehnung daran wird die Bereitschaft der Parteien zur Zusammenarbeit und zum grundsätzlichen Einverständnis mit der Kriegspolitik als „Burgfriedenspolitik“  bezeichnet.
 
Die Reichstagsfraktion der SPD stimmte den von der Reichsregierung beantragten Kriegskrediten mit nur zwei Gegenstimmen zu. Die Burgfriedenspolitik führte aber letztlich zur Spaltung der Partei. Prominente Mitglieder wie Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Karl Liebknecht waren von Anfang an Gegner dieser Politik. Viele Burgfriedensgegner wurden aus der Partei ausgeschlossen und sogar zu langen Haftstrafen verurteilt.
 

Der Burgfrieden führt zu Repressalien gegen engagierte Frauen

1916 schlossen sich etliche der Burgfriedensgegner in einem Bund mit dem Namen  „Gruppe Internationale“ zusammen, aus der dann später der Spartakusbund hervorging. Aber auch viele der zunächst willigen Fraktionsmitglieder der SPD änderten ihre Überzeugung im Laufe des Krieges und die SPD spaltete sich ebenfalls 1916 in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD) der Kriegsgegner und der SPD der Mehrheit (MSPD) derjenigen, die die Burgfriedenspolitik fortsetzen wollten. 
 
Die Burgfriedenspolitik führte auch zu Repressalien gegen die Frauentage. Oppositionelle  politische Agitation war auch unter der Mehrheit der Sozialdemokraten nicht mehr erwünscht.  Frauen sollten sich vielmehr auf ihren Veranstaltungen auf die im Rahmen der „gegebenen Rechtszustände zugelassenen Themen“ beschränken.
 

Hat der internationale Frauentag nach Einführung des Frauenwahlrechts noch seine Berechtigung? 

Nach der deutschen Niederlage im ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution wurden eine Zeitlang die Sozialdemokraten die einflussreichste politische Gruppierung in Deutschland. Eine Folge war die Einführung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen. Die MSPD lehnte die Durchführung eines Frauentages mit der Begründung ab, das politische Ziel dieser Veranstaltung sei ja erreicht. Erst mit der Vereinigung von USPD und MSPD zur SPD wurde dann auch von den Sozialdemokraten beschlossen, ab 1926 den Internationalen Frauentag wieder einzuführen. Viele Mitglieder der USPD und der gesamte Spartakusbund waren indessen dem Vereinigungsparteitag ferngeblieben und gründeten die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD).
 

Die Arbeiterbewegung spaltet sich 

Unterdessen waren in Russland in der Oktoberrevolution die Bolschewiki, eine Abspaltung der Sozialdemokratischen Partei Russlands, an die Macht gekommen. Der Anführer der Bolschewiki, Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, sah sich als praktischer Revolutionär. Seiner Auffassung nach könnte der Marxismus nicht so interpretiert werden, dass die geschichtliche Entwicklung nur nach Gesetzen abläuft. Es gebe vielmehr ein subjektives Element, den Willen zur Veränderung. Bereits 1902 hat Lenin in seinem Werk k:Was Tun?:k  die Ansicht vertreten, dass die Arbeiterklasse von sich aus zwar dazu in der Lage sei, Gewerkschaften zu gründen. Ein wirklich revolutionäres Bewusstsein könnte sie aber aus eigener Kraft nicht bilden. Die Lehre des Sozialismus sei vielmehr nicht von Arbeitern, sondern Angehörigen der Intelligenz herausgearbeitet worden. Das Klassenbewusstsein könne dem  Proletariat gleichsam nur von außen beigebracht werden. Lenin entwickelte schließlich das Konzept einer avantgardistischen Arbeiterpartei aus Berufsrevolutionären, die im Namen der Arbeiter*innen die Diktatur des Proletariats ausübt.
 

Die dritte Internationale nahm die Idee wieder auf 

Auf Initiative Lenins kam es 1919 dann zur Bildung einer dritten, der Kommunistischen Internationalen. Vertreten waren hier kommunistische Parteien aus vielen Ländern. Ziel der 3. Internationalen war die Weltrevolution auf Basis der Theorien Lenins. Als Voraussetzung sah man indessen Revolutionen nach russischem Vorbild in anderen Ländern, vor allem in Deutschland, an. Lenin ging davon aus, dass eine Revolution in Deutschland kurz bevorstehen würde.
 
Auf einer internationalen kommunistischen Frauenkonferenz der dritten Internationalen in Moskau im Jahre 1921 wurde die Einführung eines internationalen Frauentages beschlossen, der jeweils am 8. März eines Jahres stattfinden soll. Warum ausgerechnet an diesem Tag, liegt etwas im Dunkeln. Es werden in unterschiedlichen Quellen verschiedene revolutionäre Ereignisse angegeben, in denen Frauen in Russland eine entscheidende Rolle gespielt haben.
 
Die Spaltung der Arbeiterbewegung in Deutschland zeigte sich auch hinsichtlich des Frauentages: fortan wurden zwei  „internationale Frauentage“ in Deutschland zelebriert:  ein kommunistischer jeweils am 8. März und ein sozialdemokratischer an unterschiedlichen Terminen. Im Nationalsozialismus war der internationale Frauentag verboten. Stattdessen führten die Nazis entsprechend ihres Frauenbildes und unter Hinweis auf die "biologische Verpflichtung" der Frau einen Muttertag ein.
 

Der internationale Frauentag nach 1945 

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) führte in kommunistischer Tradition den Internationalen Frauentag am 08.März eines jeden Jahres wieder ein. In der Bundesrepublik spielte ein Frauentag in den ersten Jahrzenten nur eine geringe Rolle und wurde vor allem von Sozialdemokratinnen und Gewerkschafterinnen begangen. Erst mit der „68er-Bewegung“ und dem Erstarken der feministischen Frauenbewegung wurde der Tag in der Öffentlichkeit wieder stärker wahrgenommen. Allerdings waren gerade viele Feministinnen eher skeptisch, ob das Feiern eines internationalen Frauentages überhaupt irgendeinen fortschrittlichen Sinn hat.
 
Die Vereinten Nationen (United Nations Organisation  - UNO) bestimmten 1975 zum „internationalen Jahr der Frau“ und das darauf folgende Jahrzehnt zur „Dekade der Frau“. Ziel war die Verwirklichung frauenspezifischer Menschenrechte in allen Teilen der Welt und insbesondere die vollständige Gleichberechtigung von Frauen in Wirtschaft, Politik und im Alltagsleben. Es kam zur Gründung eines Entwicklungsfonds, der UNIFEM (United Nations Development Fund for Women), dessen Aufgabe es war, auf die Beteiligung von Frauen an allen Ebenen der Entwicklungsplanung und  -praxis hinzuwirken. Die UNIFEM sollte gleichsam als Katalysator im UN-System fungieren und Bemühungen unterstützen, die Bedürfnisse und Anliegen von Frauen mit allen kritischen Themen der nationalen, regionalen und globalen Agenda zu verknüpfen. Seit 1975 hat die UNO den 8. März offiziell zum Internationalen Frauentag erklärt.
 

Die Frauenrechtskonvention der UNO und die Agenda 2030

Im Dezember 1979 verabschiedete die UNO zudem die „Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau - CEDAW“. Am 2.7.2010 schloss sich die UNIFEM mit anderen frauenpolitischen Gremien der UNO zur  Einheit für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen (UN Women) zusammen.
 
Im September 2015 nahmen die 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung an. Im Februar 2018 veröffentliche UN Women einen Bericht unter dem Titel „Den Versprechen Taten folgen lassen: Gleichstellung der Geschlechter in der Agenda 2030“. Eine Kernaussage in dem Bericht ist:
 
„Entwicklung wird nur nachhaltig sein, wenn ihr Nutzen gleichermaßen sowohl Frauen als auch Männern zugutekommt. und die Rechte von Frauen werden nur Realität werden, wenn sie Teil von breiter ausgerichteten Anstrengungen zum Schutz des Planeten sind und um sicherstellen, dass alle Menschen mit Würde und Respekt behandelt werden.“
 

Frauenrechte  - ein düsteres Bild 

Gerade in Hinblick auf die Menschenwürde zeichnet der Bericht ein düsteres Bild. In vielen Ländern gibt es noch kein Gewaltverbot gegen Frauen. 49 Mitgliedsstaaten der UNO haben keine Rechtsvorschriften gegen häusliche Gewalt. In 45 Ländern ist sexuelle Belästigung nicht verboten. 37 Länder sehen bei Vergewaltigungen von Strafverfolgung ab, wenn die Vergewaltiger mit dem Opfer verheiratet sind oder es später heiraten. In Konfliktzeiten, insbesondere in Kriegen und in Fluchtsituationen, steigt die Rate der Tötungsdelikte und anderer Formen der Gewaltkriminalität deutlich an. Während Männer eher auf dem Schlachtfeld getötet werden, werden Frauen während der Konflikte sexualisierter Gewalt ausgesetzt und entführt, gefoltert und gezwungen, ihr Heim zu verlassen. Hinzu kommt noch die in vielen Staaten geduldete Gewalt gegen Frauen aus traditionellen Gründen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass weltweit bei über 200 Millionen Mädchen und Frauen die Genitalien verstümmelt worden sind. 3 Millionen Mädchen sollen jährlich gefährdet sein, Opfer einer Beschneidung zu werden. Genitalverstümmelungen werden überall auf der Welt praktiziert. Nach Schätzungen der Nichtregierungsorganisation "Terres des Femmes“ leben in Deutschland etwa 58.000 betroffene und 13.000 gefährdete Mädchen und Frauen.
 

Deutschland steht nicht gut da 

Gewalt gegen Frauen stellt aber nur die Spitze des Eisberges dar, wenn auch eine besonders widerwärtige. Zwar hat die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern in den meisten Mitgliedsstaaten der UNO heute Verfassungsrang. Wirklichkeit ist die Gleichberechtigung aber nahezu nirgendwo. Überall dort, wo Macht ausgeübt wird, in den Konzernzentralen und in der Politik sind Männer weltweit deutlich in der Überzahl. Eine traurige Rolle nimmt dabei Deutschland als eines der reichsten Länder der Welt ein. Es liegt bei der Gleichstellung von Frauen unter dem Durchschnitt aller 28 EU-Länder. 1918 betrug die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen („Gender Pay Gap“) 26,5 %, eins der höchsten Werte in der EU. 
 
Der internationale Frauentag ist also wesentlich mehr als ein Tag zum Blumenverschenken. Er ist wie der erste Mai ein Kampftag für Menschenwürde und Gleichberechtigung.

 

Aufruf des DGB zum Internationalen Frauentag 2019


Zur Vertiefung:
 
Resolution der zweiten internationalen Frauenkonferenz:
Gleichstellung der Geschlechter in der Agenda 2030 auf der HP der UN Women:
Offizielle Seite der UN zur CEDAW:
Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung  der Frau  - CEDAW (Deutsche Übersetzung):
Unser Artikel „Hundert Jahre Frauenwahlrecht“:
Unser Artikel „1919: Endlich dürfen auch Frauen wählen!“:
Unser Artikel „Der Kaiser ist weg  - 100 Jahre Novemberrevolution“