„Die Situation bleibt schwierig“

- Erich Klemm, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei der Daimler AG, absolvierte bereits seine Ausbildung als Maschinenschlosser im Unternehmen und bildete sich später zum Personalfachkaufmann fort. Seit 1988 ist er Mitglied im Aufsichtsrat und seit 1999 Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Daimler.
Bei Daimler ist die Produktion stärker gesunken als die Beschäftigung, so Erich Klemm, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats, über seine Erfahrungen mit der Kurzarbeit im Krisenjahr 2009.
Hat die Kurzarbeit das Unternehmen Daimler und die Branche insgesamt krisenfester gemacht?
Ja, die Kurzarbeit hat in der Krise wesentlich zur Sicherung der Beschäftigung in der Automobilindustrie und in der gesamten deutschen Industrie beigetragen. Während in den anderen Ländern bereits massiv Personal abgebaut wird und die Arbeitslosenquoten steigen, konnte in Deutschland der Beschäftigungsrückgang bisher durch die Kurzarbeit begrenzt werden. Auch bei Daimler ist die Produktion deutlich stärker gesunken als die Beschäftigung.
Wie ist die Tendenz im Konzern für 2010?
Wir hoffen, dass sich die positive Entwicklung im Pkw-Bereich in 2010 fortsetzt und wir die Kurzarbeit an den verschiedenen Standorten weiter reduzieren können. Aus heutiger Sicht bleibt allerdings die Situation im Nutzfahrzeugbereich weiter schwierig. Die vorhandenen Kapazitäten werden dort auch 2010 nicht ausgelastet sein, was Kurzarbeit notwendig macht.
Für welche Dauer sollte die Kurzarbeit-Regelung verlängert werden?
Wir brauchen auf jeden Fall die Möglichkeit, langfristig Kurzarbeit fahren zu können. Die zurzeit gültige Regelung, die eine Ausdehnung der Kurzarbeit auf 24 Monate ermöglicht, ist aus unserer Sicht richtig und sollte auf jeden Fall verlängert werden.
Die Beiträge zur Sozialversicherung können nach sechs Monaten Kurzarbeit in einem Unternehmen vollständig von der Bundesagentur übernommen werden. Was bringt das für die Beschäftigten?
Für die Sicherung der Beschäftigung ist es unbedingt erforderlich, dass die Unternehmen entlastet werden, die bereit sind, über einen langen Zeitraum mittels Kurzarbeit das Personal zu halten statt es abzubauen. Personalabbau darf sich gegenüber der Kurzarbeit nicht „rechnen“.
Gesamtmetall-Chef Kannegiesser hat kürzlich angedeutet, die Kurzarbeit werde zu teuer für die Unternehmen, deshalb werde es 2010 voraussichtlich zum Personalabbau kommen. Autozulieferer Bosch will seine Mitarbeiter über Lohnverzicht an den Kosten der Kurzarbeit beteiligen. Verdeutlichen diese aktuellen Nachrichten die Tendenz, dass die Arbeitgeber die Kosten der Kurzarbeit auf den Staat und die Beschäftigten abwälzen wollen?
Ja, damit ist zu rechnen. Unternehmen, die in einer lang anhaltenden Beschäftigungskrise entscheiden müssen, ob und wie sie Personal halten können, werden Bedingungen formulieren. Wir müssen darauf drängen, dass die Beschäftigungssicherung auf jeden Fall Vorrang hat – ohne staatliche Hilfe wird das aber nicht gehen.



